Dienstag, 31. März 2015

Sonntag, 29. März 2015

Django zahlt nicht – Django hat 'ne Monatskarte


Ich bin vor dem Fernseher groß geworden. Alle Vorgänge der Wirklichkeit wurden von mir eingeordnet in den Ablauf von Vorabend- und Sonntagsnachmittagsserien. Mit wiegendem Cowboygang trat ich der Welt entgegen und erwartete, dass alles so läuft wie auf der Mattscheibe – inklusive Abspann. Dass jedes Geschehnis Bezug zum Happy End haben musste, war mir klar, allerdings war ich auch nicht sonderlich enttäuscht, wenn das Happy End nicht kam, denn es war ja nur die Wirklichkeit, in der ich es erwartete. Gedanklich und mental war überall ein dramaturgischer Bogen zu sehen, an dessen Ende ein Schatz zu heben war. Dass die Wirklichkeit nach anderen Gesetzen funktioniert, als teleologisch auf das Ende der Folge zuzusteuern, habe ich lange Zeit nicht zugelassen, und selbst heute tue ich mich noch schwer damit.
In Daniel Kehlmanns Frankfurter Poetik-Vorlesungen habe ich die Beschreibung dessen wiedergefunden, und deswegen komme ich überhaupt wieder darauf.

Das Prinzip Plot ist unverzichtbar, aber es ist nie ganz unproblematisch. Wird der ordnende Wille des Autors zu deutlich, wirkt eine Geschichte zurechtgemacht und konstruiert. Der Grund dafür ist eben der Umstand, dass es Handlungen nur in Geschichten gibt und nicht in der Wirklichkeit. Dinge stoßen uns zu, Tag für Tag, Stunde für Stunde, ihnen folgen andere Dinge – aber wir sind nicht in einer Geschichte.
Schon Aristoteles unterscheidet die Wirkursache von der Zweckursache, die causa efficiens von der causa finalis, jene ist der Grund, aus dem, diese der Zweck zu dem etwas geschieht. Die Wissenschaft der Neuzeit eliminiert nach und nach die Zweckursachen aus unseren Erklärungsmodellen: In einer gottlosen Welt passieren die Dinge aus Gründen, aber nicht zu Zwecken. Beim Erzählen jedoch bleiben die Zwecke unverzichtbar, und der Erzähler spielt, ob er das will oder nicht, in seinem eigenen beschränkten Kosmos Gott. In der Realität walten die Gesetze der Physik, in der Erzählung aber die Zwecke der Dramaturgie.

Daniel Kehlmann: Kommt, Geister. Frankfurter Vorlesungen, Reinbek: Rowohlt 2015, S. 151


Schnell, virtuos, absolut verwirrend – und nur nicht grämen!


Selten habe ich so eine einleuchtende Beschreibung des Komischen, der Komödie im Unterschied zur Tragödie, dem Tragischen gelesen wie diesen Ausschnitt aus Daniel Kehlmanns Frankfurter Poetik-Vorlesungen. Leichtfüßig wie eine Komödie – absolute Identität von Form und Inhalt, hier am Beispiel Shakespearscher Komödien.

In dieser ursprünglichen Gestalt, schnell, virtuos, absolut verwirrend, beschwört Was ihr wollt ein ganzes Universum der Schwerelosigkeit herauf, in der das Menschenleid nicht so viel Gewicht hat und in dem man auch den schwersten Kummer durch Verkleidung und Vertauschung, durch ein paar Rochaden hinter sich lassen kann. Für einen Zuschauer, der die Figuren und Geschlechter im Stück nicht mehr zuverlässig zu unterscheiden vermag, hat auch das Finale plötzlich nichts Kunstgewerbliches, nichts Konventionelles mehr, sondern es bietet die Knappe und klare Demonstration dessen, dass man sich über die Liebe nicht grämen soll, da man kurz und gut auch irgendwen anderen heiraten könnte als den, den man liebt, weil man ja diesen anderen genauso lieben kann, wenn man nur will. „Es ist nicht zum Ausdenken“, fasst Hugo von Hofmannsthals Graf Brühl in der Komödie Der Schwierige dieses zeitlos erschreckende Grundprinzip aller Lustspiele zusammen, „wie zufällig wir alle sind, und wie uns der Zufall zueinander jagt und auseinander jagt, und wie jeder mit jedem hausen könnte, wenn der Zufall es wollte“. Man kann diese Frau ebensogut lieben wie jene, man kann statt ihr auch einen Mann lieben – alle Unterschiede, sagen die Komödien, die lachen machen und zum Weinen sind, sind überschätzt; ich kann Ich sein oder ein anderer, und letztlich, wenn alle Masken fallen, bin ich wohl niemand; denn das, was ich Ich nenne, ist nur die hartnäckigste der Täuschungen. Aus der Warte des Komödienautors verschwimmen all die Grenzen, deren strikte Bewahrung fromme Leute wie Jeremias Gotthelf [dessen Schwarze Spinne Kehlmann vorher besprochen hatte, U. R.], und mit ihm alle Autoritäten der Religion, für unverzichtbar halten.

Daniel Kehlmann: Kommt, Geister. Frankfurter Vorlesungen, Reinbek: Rowohlt 2015, S. 76


Ausstellungseröffnung Sven Ochsenreiter: Neither ... Nor


GOLDBERGKUNST


Zur Eröffnung der Ausstellung

SVEN OCHSENREITHER

NEITHER ... NOR


am Donnerstag, dem 2. April 2015, um 19:00 Uhr

laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Nach unserem Winterschlaf sind wir glücklich und stolz, neue Arbeiten des 1973 geborenen Malers Sven Ochsenreither zeigen zu können.

Mit wahrlich bezaubernden und Wunder-vollen Bildern hat er in NEITHER ... NOR seine Form- und Farbensprache überzeugend erweitert.

Zur Einführung spricht Gerhard Stromberg, Kurator von Goldbergkunst.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Die Ausstellung ist geöffnet

vom 3. April bis zum 14. Juni 2015

Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen

15:00 Uhr bis 18:00 Uhr

oder nach Vereinbarung.

www.sven-ochsenreither.de

Montag, 23. März 2015

Mecklenburgische Kartographie


Beitrag von MV1.

Zwei Vernissagen im Greifswalder WESTEND






(Un-) Fähigkeiten


Und wieder ein paar Bäume weg... Schaffen Planer_innen es nicht einmal, ein Kleinsportfeld in die Welt zu setzen, OHNE Bäume umzusäbeln? Straßen zu bauen, OHNE ihnen die Bäume zu nehmen? Parkplätze zu planen, OHNE für die Einfahrt Bäume abzubrechen? Wofür bekommen die eigentlich ihr Geld?

Der heutigen OZ ist zu entnehmen:

Wegen notwendiger Baumfällungen wurde das Vorhaben noch einmal in einer Sondersitzung des Bauausschusses vorgestellt, heißt es weiter. Die Mitglieder hätten keine Einwände gehabtund den genehmigten Baumfällungen zugestimmt

So hat sich die Ortsteilvertretung Innenstadt bei den Baumfällungen am Karl-Marx-Platz auch schulterzuckend vom Acker gemacht...


Freitag, 20. März 2015

Verdiente Auszeichnung für Brodkorb


Auf der Seite des Deutschen Musikrates finden wir die Begründung für so eine Art Saure Zitrone für den Kultusminister von Mecklenburg Vorpommern, Matthias Brodkorb:

Mathias Brodkorb
In anderen Ländern ist es üblich, dass die Kulturpolitiker für den Erhalt der Kultur kämpfen, die Finanzpolitiker dem aber einen Riegel vorschieben. In Mecklenburg-Vorpommern können sich die Finanzpolitiker entspannt zurücklehnen. Kulturminister Mathias Brodkorb erledigt den Job ganz alleine. Eine Münchner Unternehmensberatung lieferte ihm die höchst zahlenorientierte Basis für seinen Aktionismus in der Mecklenburg-Vorpommerschen Theaterlandschaft: Kürzungen in Schwerin, Spartenschließungen in Rostock, Fusion der bereits Fusionierten Neubrandenburg-Neustrelitz und Greifswald-Stralsund.
Dass dabei zahlreiche Arbeitsplätze wegfallen, dass gewachsene (Musik-)Theaterstandorte, mit denen sich die Menschen in den Städten identifizieren, ausbluten, scheint ihn nicht zu stören. Auch nicht, dass Parteifreund Thierse ihm öffentlich einen Rüffel erteilte. Die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen, in denen er Rede und Antwort stehen könnte, sagt Brodkorb regelmäßig ab. Kultur in Mecklenburg-Vorpommern verkümmert zur Nebensache unter dem Kulturminister Brodkorb. Dafür gebührt ihm unbedingt der Gordi.


Sonntag, 15. März 2015

Donnerstag, 5. März 2015

Für unser Theater!




"Die Bürgermeister von Anklam, Barth, Usedom und Heringsdorf haben sich in einem Aufruf an Erwin Sellering bedingungslos hinter ihr Theater gestellt. Der Intendant des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian, hat die Erhaltung aller vier Sparten für Rostock gefordert. Wir erwarten von unserem Oberbürgermeister, Dr. Arthur König, und unserem Intendanten, Dirk Löschner, dass sie sich ebenso bedingungslos für den Erhalt unseres Theaters einsetzen!", fordert Prof. Christian Wilke, Vorsitzender des Theaterfördervereins "Hebebühne". "Für unser Publikum fordern wir den Erhalt von Qualität und Quantität des Theaterangebotes."

"Dazu gehört ein eindeutiges Bekenntnis vom Greifswalder Oberbürgermeister und vom Intendanten des Theaters Vorpommern zu ihrem Theater. Bisher ist zu diesem Thema Schweigen im Walde - wir möchten hören, dass beide zu unserem Theater stehen!", so der Vorsitzende des Theaterfördervereins weiter. "Gerade in Hinsicht auf die in der nächsten Woche anstehenden Entscheidung in der Stalsunder Bürgerschaft sollten wir alle ein deutliches Zeichen für unser Theater setzen!"

Das Publikum sei bereit für ein solches Zeichen: Am Montag wird es eine große Demonstration vor dem Neustrelitzer Theater geben, der sich der Kultusminister entzogen habe. "Wir sind gesprächsbereit - wo ist der Minister?" fragt Wilke. In Stralsund werden Busse um 14:15 Uhr vom Theater abfahren, in Greifswald um 15 Uhr vom Nexöplatz, um allen die Möglichkeit zu geben, für ihr Theater einzutreten. "Wir rufen alle, die etwas für ihr Theater tun wollen, dazu auf, mit uns am Montag in Neustrelitz ganz deutlich zu sagen: Wir wollen unser Theater!", so Wilke abschließend.

Um 17 Uhr findet die Demonstration vor dem Theater statt, um 18 Uhr folgt eine Podiumsdiskussion auf der Neustrelitzer Bühne.